Warum ich mich für die Eizellspende engagiere…

Als aller erstes möchte ich hier festhalten, dass wohl kein Paar sich für die Eizellspende entscheiden würde, wäre es nicht dazu gezwungen, weil es auf anderem Wege nicht funktionieren kann. Niemand würde diesen Weg freiwillig wählen, wäre er oder sie nicht dazu gezwungen. Es geht nicht darum, der Natur – oder gar dem lieben Gott – ins Handwerk zu pfuschen. Vielmehr geht es um diesen grundlegenden und tiefen Wunsch Fußspuren hinterlassen zu dürfen. Der Wunsch eines jeden Menschen sich fortpflanzen zu können/dürfen. Es geht darum, die Chance zu nutzen welche uns die heutige Medizin bietet und es geht auch darum, eine Familie gründen zu dürfen trotz Umständen, die nicht in der eigenen Macht liegen. Und diese Gründe sind meist medizinisch erklärbar.

Die Samenspende ist in der Schweiz erlaubt, nicht so die Eizellspende. Seit dem Inkrafttreten des ersten Fortpflanzungsmedizingesetzes im Jahre 2001 ist die Samenspende auch gesetzlich geregelt, leider aber die Eizellspende immer noch nicht. Meine ganz persönliche Geschichte hat mich dazu bewogen, mich vermehrt für die Legalisierung der Eizellspende einzusetzen. Ich habe mir auf die Fahne geschrieben, auch in der Schweiz Aufklärungsarbeit zu leisten.

Das Gefühl des Leids, wenn es einfach nicht klappen will mit dem kleinen Erdenbürger beschreibe ich heute oft als Ohnmachtsgefühl. Das Wissen, dass die Zeit der eigenen Fruchtbarkeit immer kürzer wird und es doch Monat für Monat nicht funktionieren wollte, liess mich traurig, wütend und eben ohnmächtig zurück. 12 Jahre lang hatte ich den unerfüllten Kinderwunsch und ich bin heute unendlich dankbar habe ich nicht resigniert und aufgegeben. Die Angst irgendwann keine Fußspuren hinterlassen zu dürfen hat mich damals weitermachen lassen. Ich hätte diesen Weg niemals freiwillig gewählt, wäre es nicht anders möglich gewesen. Es war ein Prozess, indem man sich immer wieder auch mit ethischen Grundsatzfragen befassen muss. Ein Prozess der mich persönlich aber auch wachsen liess. Er hat mich stark gemacht und er rückblickend macht er sogar Sinn.

Das monatliche hormonelle auf und ab ist nicht genug, da kommt leider irgendwann auch dieser so gegenwärtige Zeitdruck dazu. Dieser lastete auch auf meinen Schultern schwer, und ich hatte ständig die Stimme im Ohr „jetzt muss es dann klappen, sonst ist es wirklich zu spät“. Und plötzlich war ich 40, immer noch kinderlos, und alle reden davon, dass es nun wohl langsam zu spät ist für eigene Kinder. Da hatte ich des Kinderwunsches wegen so viele Jahre das Leben „auf Eis gelegt“ und dann aufgeben? Ich hatte mich selbst irgendwann nicht mehr richtig gespürt und war nicht mehr mich selbst. Rückblickend war das eines der furchtbarsten Gefühle, die ich jemals erlebt habe. Und doch war genau das meine Triebfeder. Ich wusste tief in meinem Innern, dass da draußen jemand auf uns wartet der zu uns kommen möchte. Kommt dazu, dass nach einer eingetretenen Schwangerschaft oftmals eine Fehlgeburt auftritt – so war das auch bei mir. Ich würde das heute als traumatisches Erlebnis bezeichnen. Der Moment, wenn das kleine Herz, das so viel Hoffnung mit sich gebracht hat, plötzlich nicht mehr schlägt. Furchtbar war das…

Der Weg zur Entscheidung war lang und steinig. Aber als er gefällt war, war es ein unbeschreiblich erlösendes und dankbares Gefühl. Es war ein neues Lebensgefühl das wieder Hoffnung mit sich brachte. Die Eizellspende als Insel für unser Glück. So hat es sich angefühlt. Und ich weiss: es war die richtige Entscheidung. Ich habe den Prozess mit professioneller Hilfe unterstützen lassen. So wusste ich, dass ich das kann und dass es mein Kind sein wird, das ich im Arm halte. Niemals habe ich diesen Schritt bereut. Nie kam das Gefühl auf, dass es ein Fehler war. Immer noch sind da diese Dankbarkeit und auch eine gewisse Demut. Für mich und meinen Mann war das der richtige Weg, auch wenn er lang und kurvig war.

Die Eizellenspende ist in über 20 europäischen Ländern bereits zugelassen. Mit der Legalisierung in der Schweiz könnten jährlich mehreren 100 unfruchtbaren Paaren in der Schweiz geholfen werden, welche heute für diese Behandlung ins europäische Ausland reisen müssen. Es sollte auch in der Schweiz über kurz oder lang eine gesetzliche Grundlage geschaffen werden, welche die Eizellenspende ermöglicht und deren Rahmenbedingungen festlegt. Dank Aufklärungsarbeit muss mehr Verständnis für die Eizellspende geschaffen werden, denn sie kann vielen Frauen und Paaren sehr viel Leid ersparen.

Auf dieser Seite werde ich mich vermehrt dafür einsetzten, dass die Eizellspende mehr Akzeptanz findet in der Gesellschaft, und hoffentlich eines Tages auch in der Schweiz legalisiert wird, wie sie dies in über 20 europäischen Ländern bereits ist.

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